Chronik von Flettmar

Flettmarer Geschichte In dem alten Urstromtal der Aller hat sich die Ortschaft Flettmar im Laufe der Jahrhunderte entwickelt. Auf die angeschwemmten Sanddünen der Aller und z.T. auch der Oker konnten die ersten Hütten und Häuser errichtet werden. Ein Alter von 750 Jahre konnte für Flettmar urkundlich nachgewiesen werden. Der Ort Flettmar muss aber ein wesentlich älteres Gründungsalter haben. Flettmar gehört zu den Siedlungen mit dem Suffix- mar, was auf feuchtes Gelände der Umgebung hindeutet. Es dürfte in der älteren Ausbauperiode (500 – 800 n. Chr.) entstanden sein.

Die Ortsnamen auf – mar oder mere gelten als sehr alte Siedlungen. Die Wüstung „Ohlhusen“, früher Oldenhusen oder Ahlenhusen gehörte zum Ort Flettmar und wurde weit vor der urkundlichen Erwähnung des Ortes Flettmar von 1248 in der alten Literatur aufgeführt. Man nimmt an, das bei Verlegung der Oker in Meinersen in neues Flussbett Richtung Müden bzw. Dieckhorst größere Überschwemmungen in Flettmar und in der Gemarkung die Folge waren. Vor allem wurde die Flur südöstlich des Dorfess wo Ohlhusen liegt, stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Folge war eine Umlegung der dortigen Höfe in den Ortskern von Flettmar. Auch die Mühle von Flettmar, die im Nedderwiesengebiet stand, wird nach 1350 nicht mehr erwähnt. Reichlich gefundene Tonscherben und alte Steine deuten auf die Wüstung Ohlhusen hin.
Bei urkundlicher Erwähnung 1258 bis 1360 findet man den Ortsnamen von Flettmar als Vletmere und 1480 als Flethmer. In der Urform des alten Flettmar war das Dorf als Einwegedorf oder Zweizellendorf genannt, dass sich entlang den flachen Dünenrücken, der heutigen Dorfstrasse entwickelte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann an der Stelle gebaut, die auf Anhöhen lagen und somit weitgehend vor Überflutung geschützt waren, siehe an beiden Seiten der Dorf-und Allerstraße im Kerndorf, später Osterfeld, Sandberg, Fuchsheide, Hinter den Höfen, Kartoffelberg und Lohberg. Im Jahr 1438 wurden für Flettmar 20 Hofstellen angegeben, in Jahre 1811 36 Hofstellen , im Jahre 1895 dann 55 Hofstellen und heute sind es ca. 250 Hofstellen. Für die 750- Jahrfeier des Dorfes Flettmar lag die Schenkungsurkunde nach 37 von Herzog Otto von Braunschweig an das Kloster Wienhausen mit den Gütern von „Vletmere“.
 
Das Kloster von Wienhausen liegt 12 km westlich von Flettmar am Oberlauf der Aller in Wienhausen. Das Kloster wurde einst von Nonnen des Zisterzienserordens erbaut, aber nach der Reformation in eines für evangelische Damen umgewandelt, welches es bis heute blieb. Eine Äbtissin steht dem Konvent bis heute vor. Nach dem Zinsregister von 1340 des Klosterarchiv Wienhausen waren zu der Zeit für Flettmar die Mühle und 7 Güter Zinsabgabepflichtig. In einer weiteren Urkunde von 1248 heißt es: Herzog Otto von Braunschweig bestätigt das Testament seiner Tante, der Herzogin Agnes und macht die für Seelenmessen bestimmte Güter besonders namhaft. Sie sollen aus den Einkünften der Güter in Flettmar, deren Eigentum die Herzogin Agnes von Ritter Balduin von Blankenburg erworben hat, jährlich Seelenmessen für den Großvater, den Herzog Heinrich von Sachsen und Bayern und dessen Söhne gehalten werden. Weitere Lehnsverhältnisse bestanden zu der Zeit mit dem Junker von Mahrenholz, Dieckhort der Kirche in Müden, den Junker Christian Ausgust von Knesebeck, den Junker zu Gerstenbüttel und der Hochfürstlichen Durchlaucht vor Braunschweig-Lüneburg.

Der „Lüttsche See“ und das Flettmarer Hochwasse

Wenn man sieben Jahrzehnte in einem Dorf wohnt, dann hat man sich auf gewisse Gewohnheiten im Dorfleben eingestellt, die man nicht missen möchte, im positiven und auch im negativen Sinne. Soll man nun das Hochwasser, das zu den Gewohnheiten in Flettmar gehört, negativ oder positiv einstufen? Es gehört in unseren Ort alljährlich einfach dazu, man wartet schon darauf. Wenn es in den früheren Jahren fast immer in den Monaten Februar bis März, aufgrund der Schneeschmelze im Harz auftrat, so muss man in den letzten Jahren andere Hochwassertermine feststellen.
Warum wird nun gerade die Flettmarer Flur vom Hochwasser so stark im Mitleidenschaft gezogen? Das in den letzten Jahrzehnten ausgebaute und teilweise begradigteHochwasser am lüttschen See neue Flußbett kann zwar mehr Wasser aufnehmen und weiterführen, aber die Flettmarer Allerbrücke kann das Wasser nicht so schnell durch leiten. Es entsteht also bei besonderen Naturereignissen wie starkem Regen oder Schneeschmelzen ein Rückstau, der dann die Flettmarer Flur sofortüberschwemmt. Vor der Verkoppelung 1840 waren einige wenige Flettmarer Fluren durch kleine Wasserdämme geschützt. Mit der Flettmarer Verkoppelung wurde dann der Dammbau verstärkt gefördert und fast die gesamte Ortschaft mit einem hohen und breiten Wasserdamm umzogen.

Die ungefähren Daten dieses Dammes sind: Länge ca. 6 km, Höhe –3 m, Breite 2-5m. Man kann es sich heute gar nicht vorstellen, wie unsere Vorfahren dieses gewaltige Vorhaben bei den seinerzeitigen Verhältnissen bewerkstelligen konnten. Nur ein einziges Mal, im Jahre 1946, konnte das Wasser den Damm brechen. Ein Dammbruch im Norden von Flettmar zur Masch hin sorgte für eine große Überschwemmung. Fast das ganze Dorf stand unter Wasser, mehrere Ausfallstraßen waren überschwemmt. Einige Ortsteile konnte man nur mit dem Brennetrog erreichen. M.E. gibt es noch einen anderen Umstand, der das schnelle Überfluten der Flettmarer Flur begünstigt. Es sind immerhin etwa 800 Morgen Acker- und Grünland, die beim mittleren bis großen Hochwasser überschwemmt sind. Ein Jahrhunderte oder vielleicht auch Jahrtausende alter Graben führte im Osten und Südosten in Flettmar vorbei. Er wird in Flettmar „Lüttscher See“ genannt. Nach der Flurbereinigung 1965 hieß er vor der Aller bis zur Staatsforst „Seebruchgraben“ und von der Staatsforst bis Päse „Harsebruchgraben“. Dieser Graben oder Fluß dient als Entwässerungsgraben für die Okerwiesen.
Er durchfließt die Feldmarkt von Seershausen, Hardesse, Päse und Höfen und mündet in die Aller. Vor der Flurbereinigung war dieses Flüßchen ein idyllisches Naturreservat. Von vielen Sträuchern und Bäumen am Rande bewachsen und begleitet von Sümpfen wand sich dieser „Lüttsche See“ in Schlagenlinie durch Wiesen und Weiden. Durch die Flurbereinigung wurde dann aus bekannten Gründen eine Begradigung vorgenommen,Der lüttsche See eine jährliche maschinelle Reinigung an beiden Seiten sorgte seitdem für ein „intaktes“ Aussehen. Auch geschichtlich drehte sich früher vieles um die Wasserstraße. Die Wiese bei der Mündung des „Lüttschen Sees“ in die Aller heißt Wallbergwiese,
Die neue Allerbrücke ist 100m entfernt und die Flur davor ist der „Sandberg“. 150 m südwärts steht das Haus Nr. 16, früher war hier eine Zollstelle. Östlich davon war die alte Allerbrücke und auch über den „Lüttschen See“ führte eine große Brücke. Über diese beiden Brücken vollzog sich in früheren Jahrhunderten eine reger Frachtverkehr von der Heidmark nach Burgdorf, Hildesheim und retour. An der Flettmarer Zollstation wurde dann der Zoll kassiert, hier endete der Gau Flotwedel. Die seinerzeitigen Straßen führten dann weiter zum Mahrenholtzschen Gut Brakenshof.

Die gesamte Flettmarer Geschichte ist niedergeschrieben im Flettmarer Heimatbuch, das zur 700-Jahrfeier des Ortes 1998 vom Dorfchronisten und Heimatforscher Bernhard Williges, Dorfstraße 9, Flettmar 38539 Müden erstellt wurde. Die Bücher sind leider vergriffen. Man kann dieses Buch aber einsehen in der Bücherei Müden/Aller, im Rathaus und in der Stadtbücherei in Gifhorn im Ratskeller. Sollten weitere Fragen sein, so bin ich gerne zu Auskünften bereit, Telefon 05375/1240.
Gez. Bernhard Williges.